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Darmerkrankungen: Formen und Symptome – _

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Das Spektrum von Krankheiten, die den Darm betreffen, ist breit: Es reicht von meist harmlosen Nahrungsmittelunverträglichkeiten über akute Darminfekte und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen bis hin zu lebensbedrohlichen Darmtumoren. Lesen Sie hier, woran Sie eine Darmkrankheit erkennen, was dahinterstecken kann und wie man sie behandelt.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Unter dem Oberbegriff „chronische entzündliche Darmerkrankungen“ (CED) fasst man vor allem zwei Formen zusammen: Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. In beiden Fällen entzündet sich der Darm dauerhaft. Die Patienten leiden vor allem unter Bauchschmerzen und Durchfällen. Hinzu kommen unter anderem Abgeschlagenheit und Gewichtsverlust.

Bei Morbus Crohn-Patienten können verschiedene Stellen des gesamten Verdauungstraktes gleichzeitig betroffen sein. Patienten haben beispielsweise Schleimhautschäden im Mund (Aphthen), Fisteln am After (Analfistel) und entzündete Dickdarmwände (über alle Wandschichten).

Eine Colitis ulcerosa spielt sich fast ausschließlich im End- und Dickdarm ab. Hier entzündet sich lediglich die Schleimhautschicht des Darms. Bei beiden chronischen Darmerkrankungen können zudem andere Körperregionen erkranken, etwa die Gallengänge, Gelenke oder Augen.

Beide Krankheitsformen verlaufen für gewöhnlich in Schüben. Was genau diese auslöst, ist noch ungeklärt. Eine wichtige Rolle spielt das Erbgut. Vor allem bei Colitis ulcerosa haben Forscher noch weitere Risikofaktoren entdeckt, beispielsweise eine fettreiche Ernährung oder bestimmte Medikamente (z.B. Verhütungs-/Hormonpräparate).

Darmerkrankungen von A bis Z

Weitere Darmerkrankungen

Neben den chronisch-entzündlichen Darmkrankheiten gibt es eine Reihe weiterer Erkrankungen, die den Darm betreffen. Dazu gehören akut-entzündliche oder bösartige Formen. Ferner solche, die auf Gefäßschäden zurückzuführen sind oder auf Allergien und Unverträglichkeiten beruhen.

Akute Entzündungen des Darms

Akute Entzündungen können den Dünn- oder den Dickdarm, einzelne Abschnitte oder auch den gesamten Darm betreffen. 

Die „Blinddarmentzündung“ (Appendizitis) ist eine der bekanntesten Darmerkrankungen. Sie betrifft nicht den Blinddarm selbst, sondern seinen Wurmfortsatz. Auslöser sind zum Beispiel Darminfekte, Fremdkörper wie Obstkerne oder verhärtete Kotklümpchen, die den Ausgang des Wurmfortsatzes am Blinddarm verlegen.

Zwölffingerdarmgeschwüre sind meist Folge einer Infektion mit dem Magenkeim Helicobacter pylori. Sie können sich aber auch allein durch bestimmte Medikamente wie NSAR-Schmerzmittel, Rauchen, Alkohol und Stress ausbilden.

Divertikulitis: In der Wand des Dickdarms bilden sich oft kleine ballonartige Ausstülpungen – sogenannte Divertikel. Sammelt sich darin Kot an, können sich die Divertikel entzünden (Divertikulitis). Besonders häufig passiert das im letzten Dickdarmabschnitt, der in einer S-Kurve zum Mastdarm zieht. Dort ist der Druck auf die Darmwand besonders hoch. 

Proktitis: Bei Patienten mit einer Proktitis ist der letzte Abschnitt des Enddarms entzündet – meist auch der After. Typisch sind Probleme beim Stuhlgang, Hüft- und Leistenschmerzen. Einige Geschlechtskrankheiten gehen mit einer solchen Proktitis einher.

Pseudomembranöse Colitis: Bei der pseudomembranösen Kolitis entzündet sich Dickdarm nach einer Antibiotikatherapie. Sie bringt die natürliche Darmflora aus der Balance. Das ruft übelriechende Durchfälle, Bauchschmerzen und Fieber hervor. 

Darminfektionen: Akute Darmerkrankungen werden meist durch Krankheitserreger wie Viren, Bakterien und Parasiten verursacht. Häufig sind die Beschwerden wie Brechdurchfälle nach wenigen Tagen überstanden. Darminfektionen können aber auch lebensbedrohlich verlaufen. Das gilt insbesondere für immungeschwächte Personen und bei Infektionen mit gefährlichen Erregern

Morbus Whipple: Bei dieser sehr seltenen bakteriellen Darmerkrankung schädigt der Erreger Tropheryma whipplei insbesondere die Schleimhaut des Dünndarms. Dadurch kann der Darm manche Nahrungsbestandteile nur noch erschwert aufnehmen (Malabsorption), was eine Mangelversorgung des Körpers nach sich zieht. Neben Magen-Darm-Beschwerden ist daher auch eine starke Gewichtsabnahme typisch. Die Infektion betrifft aber auch andere Organsysteme – insbesondere die Gelenke, aber auch Herz, Lunge, Gehirn und Augen. Unbehandelt führt die Erkrankung zum Tod. Betroffen sind vor allem weiße Männer zwischen den 30 und 60. Lebensjahr.

Darmkrebs

Darmtumore zählen in Europa sowohl bei Frauen wie auch bei Männern zu den häufigsten Krebserkrankungen. Der Krebs entwickelt sich in den meisten Fälle im Dickdarm. Vorstufen sind meist gutartige Darmpolypen (Adenome). Diese können jedoch nach einiger Zeit, meist Jahren, entarten und bösartig wuchern.

Darmkrebs entwickelt sich oft langsam. Es bestehen daher gute Chancen, Darmtumore und ihre Vorstufen rechtzeitig zu erkennen. Im Rahmen einer Darmspiegelung kann der Arzt Darmpolypen und Darmtumore nicht nur aufspüren, er kann sie oft auch gleich problemlos entfernen.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten und -allergien

Mediziner unterscheiden zwischen Nahrungsmittelallergien und Nahrungsmittelintoleranzen. Sie basieren auf unterschiedlichen Krankheitsmechanismen.

Nahrungsmittelallergien: Bei einer Nahrungsmittelallergie reagiert das Immunsystem des Körpers auf bestimmte Eiweiße (Allergene) in Nahrungsmitteln. Betroffene können neben Magen-Darm-Beschwerden auch Hautausschläge oder Atemnot entwickeln. Die Reaktionen verlaufen unter Umständen lebensbedrohlich. Daher müssen starke Allergiker stets ein Notfallset bei sich führen. 

Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Viel häufiger als Allergien sind Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Sie verursachen vor allem Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfälle. Diese Beschwerden beruhen auf unterschiedlichen Ursachen.

  • Laktoseintoleranz beruht auf einem Mangel an dem Enzym Laktase, das eigentlich Milchzucker (Laktose) spaltet. Fehlt dieser Schritt, vergärt der Zucker durch die Bakterien im Darm und erzeugt so Blähungen, Durchfälle und Krämpfe.
  • Zöliakie beschreibt eine Unverträglichkeit des Getreideklebstoff Gluten. Schon geringe Mengen Brot oder Nudeln reichen dann aus, um heftige Bauchbeschwerden und Entzündungsreaktionen hervorzurufen. Die Ursache ist noch nicht gänzlich geklärt.
  • Fruktoseintoleranz zeigt sich meist, weil der Darm nur geringe Mengen an Fruchtzucker (Fruktose) in den Körper transportieren kann. Es gibt auch eine erbliche Form, der ein Enzymmangel zugrundeliegt. Die (überschüssige) Fruktose verarbeiten Bakterien im Dickdarm. Dabei entstehen Gase und Fettsäuren, die Beschwerden verursachen.
  • Histaminintoleranz betrifft Menschen, die den Entzündungsstoff Histamin nicht in ausreichendem Maße abbauen zu können. Lebensmittel, die viel davon enthalten, breiten dann Beschwerden.

Reizdarmsyndrom

Das Reizdarmsyndrom ist ein verbreitetes Beschwerdebild, dessen Ursachen nicht vollständig geklärt sind. Experten vermuten unter anderem, dass das Darmnervensystem („Bauchhirn“), bei Reizdarmpatienten überaktiv ist. Veränderte Immunreaktionen oder eine gestörte Darmwandbarriere sind weitere denkbare Faktoren.

Typisch ist, dass Ärzte keine organische Ursache finden können, die das Ausmaß der Beschwerden erklärt. Sie stellen die Diagnose, wenn sie andere mögliche Darmerkrankungen ausgeschlossen haben.

Strahlencolitis

Eine Strahlentherapie im Rahmen einer Krebsbehandlung kann den Darm langfristig in Mitleidenschaft ziehen. Die Strahlen können unter anderem die Gefäße schädigen, die den Darm versorgen. Die Gefäße verstopfen und versteifen sich zunehmend und können so den Darm nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Betroffene haben typischerweise einen unregelmäßigen Stuhlgang mit Durchfällen und Verstopfung sowie wiederkehrende Darmkrämpfe.

Vaskuläre und ischämische Darmerkrankungen

Wie man es etwa von den Herzkranzgefäßen kennt, können auch Blutgefäße „verkalken“, die den Darm versorgen. Die verengten Gefäße erschweren den Blutfluss, so dass weniger Sauerstoff die Darmwand erreicht. Anfangs haben Betroffene primär nach dem Essen Bauchschmerzen (Angina abdominalis). Schreiten die krankhaften Prozesse fort, halten die Schmerzen an. Hinzu kommen Durchfälle und Gewichtsverlust. Im Extremfall verschließen sich größere Gefäße vollständig und es entsteht ein akuter Infarkt – ein Notfall.

Darminvagination

Darminvaginationen betreffen vor allem Säuglinge. Dabei scheibt sich ein oberer Darmabschnitt teleskopartig in einen weiter unten liegenden. Mitunter rutscht der Darm von allein in seine natürliche Position zurück, oft hilft ein spezieller Einlauf. Ist das nicht der Fall, kann ein lebensbedrohlicher Darmverschluss mit starken Bauchschmerzen auftreten, der operiert werden muss.

Hämorrhoiden

Hämorrhoiden sind ringförmig um den Anus angeordnete Gefäßpolster. Gemeinsam mit dem Schließmuskel dichten sie den Darmausgag ab. Vergrößern sie sich, beginnen sie zu jucken und zu bluten und stülpen sich manchmal auch nach außen. Insbesondere Menschen mit chronischer Verstopfung, die beim Stuhlgang stark pressen müssen, leiden darunter.

Darmerkrankungen: Symptome

Ob eine akute oder chronische Entzündung, eine Allergie, Unverträglichkeiten oder Autoimmunreaktion – ist der Darm krank, treten typischerweise folgende Symptome auf:

Weiter mögliche Symptome von Darmerkrankungen sind:

Hinweis:
Bei manchen Darmerkrankungen treten Symptome allerdings erst spät im Krankheitsverlauf auf. Dazu gehört auch Darmkrebs. Rechtzeitig erkannt werden Darmtumore meist nur im Rahmen einer Darmspiegelung.

Wann muss man zum Arzt?

Magen-Darm-Beschwerden können auf eine ernsthafte Erkrankung oder sogar einen medizinischen Notfall hinweisen. In ärztliche Hände sollten Sie sich in folgenden Fällen begeben:

Rufen Sie den ärztlichen Notdienst, wenn Magen-Darm-Beschwerden zusammen mit Erbrechen und hohem Fieber auftreten oder Ihnen Blut im Erbrochenen oder im Stuhl auffällt.

Schmerzt der Bauch sehr stark und wird dabei angespannt bretthart, handelt es sich um ein akutes Abdomen – einen Fall für den Notarzt. Es tritt beispielsweise bei einer Blinddarmentzündung, einem Darmverschluss oder einem Darmdurchbruch auf.

Auch anhaltende Magen-Darm-Beschwerden lassen Sie am besten zeitnah von einem Arzt abklären, selbst wenn die Beschwerden mäßig sind.

Säuglingen und Kleinkindern kann Durchfall und Erbrechen besonders gefährlich werden. Bei heftigeren Verläufen oder wenn die Kleinen schlapp und teilnahmslos wirken, sollten Sie einen Arzt konsultieren.

Ziehen Sie auch bei Anzeichen von Dehydrierung einen Arzt hinzu. Dazu gehören ein trockener Mund, Durst, geringe Urinmengen oder dunkler Urin sowie Hautfalten, die nach dem Hochziehen stehenbleiben.

Blut im Stuhl sollten Sie auch ohne weitere Symptome unbedingt ernst nehmen und ärztlich abklären lassen. Das Symptom kann zwar viele Ursachen haben, eine davon ist aber Darmkrebs.

Komplikationen von Darmerkrankungen

Im Verlauf einer Darmerkrankung können verschiedene Komplikationen auftreten. Die wichtigsten sind:

  • Darmverengung und Darmverschluss (Ileus) – Der Darm kann sich aufgrund von Darmtumoren verengen oder verschließen. Letzteres ist ein lebensbedrohlicher Zustand.
  • Darmdurchbruch: Aufgrund entzündlicher Darmerkrankungen oder eines Tumors kann die Darmwand so schwer geschädigt werden, dass Darminhalt zum Bauchraum „durchbricht“. Dann besteht Lebensgefahr.
  • Bauchfellentzündung: Eine sogenannte Peritonitis kann sowohl spontan auftreten als auch Folge einer Darmerkrankung sein. Dann liegen etwa entzündliche oder ischämische Darmkrankheiten, ein Darmdurchbruch oder Darmverschluss zugrunde.
  • Nährstoffmangel: Etwa durch häufige Durchfälle oder Veränderungen der Dünndarmschleimhaut nimmt der Körper zu wenige Nährstoffe auf (Malabsorption). Folgen sind Mangelerscheinungen oder starke Gewichtsabnahme.
  • Elektrolytstörungen: Häufige Durchfälle stören auch das Verhältnis wichtiger Mineralstoffe wie Kalium und Natrium. Das wiederum kann etwa den Herzschlag beeinträchtigen.
  • Toxisches Megakolon: Der Darm weitet sich infolge einer lebensbedrohlichen Darmentzündung aus. Dabei treten akute schwerste Bauchschmerzen auf.
  • Darmkrebs: Chronische Entzündungen begünstigen, dass aufgrund häufigerer Zellteilungen vermehrt Mutationen auftreten. Dadurch steigt das das Darmkrebsrisiko.

Darmerkrankungen: Ursachen

Die Ursachen von Darmerkrankungen sind vielfältig. Bei einigen Krankheitsbildern sind sie nicht vollständig geklärt. In diesen Fällen nehmen Fachleute an, dass verschiedene Faktoren zusammentreffen, etwa eine genetische Veranlagung und Umwelteinflüsse wie Rauchen oder Medikamente. So ist es unter anderem bei den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.

Krankheiterreger: Es gibt zahlreiche Krankheitserreger, die den Darm befallen können: Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten. Die Krankheitserreger gelangen über Tröpfchen- und Schmierinfektionen, beim Sex, im Rahmen einer Lebensmittelinfektion oder durch verunreinigtes Trinkwasser in den Körper.

  • Bakterien produzieren Giftstoffe, die die Beschwerden auslösen.
  • Viren befallen die Körperzellen, um sich zu vermehren und schädigen dabei das Gewebe. Auch die Abwehrreaktion verursacht Krankheitssymptome.
  • Einzellige Parasiten wie Amöben können den Darm schädigen oder sogar in den Körper eindringen. Sie können unter anderem schwere Geschwüre verursachen.
  • Auch verschiedene Wurmarten können den Darm befallen. Dazu gehören vor allem Fadenwürmer wie Spulwürmer, Filarien und Madenwürmer oder Saugwürmer
  • Pilze spielen womöglich bei Immunschwäche und nach Antibiotikaeinnahme eine besondere Rolle. Viel diskutierte Zusammenhänge mit Beschwerden und anderen Krankheiten wie dem Reizdarm oder Allergien sind (noch) nicht wissenschaftlich belegt.

Mikrobiom: Die verschiedenen Keime, die den Darm natürlicherweise besiedeln, bilden das Darm-Mikrobiom (Darmflora). Sie erfüllen wichtige Aufgaben, etwa bei der Verdauung und Abwehr von Krankheitserregern. Gerät es aus der Balance, begünstigt das verschiedene Darmerkrankungen.

Mangel oder Übermaß an Verdauungsenzymen und Säften: Sind die Mengen an Verdauungsenzymen zu gering, wird die Nahrung nicht richtig verdaut. Das bereitet vielfältige Probleme von einer Mangelversorgung bis hin zu Beschwerden wie Durchfall und Krämpfen. Doch auch zu viel Galle oder Magensäure kann Probleme verursachen.

Ernährung: Wie gesund die Darmflora ist, hängt auch von der Ernährung ab. So kann eine zuckerreiche, ballaststoffarme Ernährung die Darmflora stören.

Strahlung: Eine Strahlentherapie kann kurzfristig die Darmschleimhaut schädigen – aber auch langfristige Schäden verursachen.

Immunsystem: Das körpereigene Abwehrsystem kann ebenfalls an Darmkrankheiten beteiligt sein. Bei Lebensmittelallergien, aber auch Zöliakie rufen fehlgesteuerte Abwehrreaktion gegen bestimmte Lebensmittelbestandteile Beschwerden hervor.

Genetische Veranlagung: Viele Krankheiten haben auch eine genetische Komponente. Die Veranlagung wird vererbt, die Krankheit bricht dann unter ungünstigen Umständen aus. Das gilt auch für verschiedene Darmerkrankungen – darunter Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Allergien, Darmpolypen und Darmkrebs.

Psyche: Psyche und Darm stehen über die Darm-Hirn-Achse in ständigem Austausch. Stress und psychische Belastungen wirken sich daher unmittelbar auf die Verdauung aus. Sie können daher auch Entstehung und Verlauf von Darmerkrankungen beeinflussen.

Darmerkrankungen vorbeugen

Darmerkrankungen kann man vorbeugen. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Ernährung. Nahrung zu verwerten, Nährstoffe freizusetzen und ins Blut zu schleusen, gehören zu den Hauptaufgaben des Darms und seiner Bewohner. 

Eine darmgesunde Ernährung enthält

  • Ballaststoffe aus Vollkornprodukten, Gemüse und Obst
  • wenig Zucker
  • möglichst wenig Alkohol
  • kaum rotes und verarbeitetes Fleisch (Wurst, Räucherfleisch etc.)
  • viele naturbelassene, wenig industriell verarbeitete Produkte (z.B. Fertigmahlzeiten, Fastfood)
  • ausreichend Flüssigkeit (Wasser, ungesüßter Tee)
  • Probiotische Lebensmittel (fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut, Joghurt)

Bewegung & Entspannung

Bewegung beugt in mindestens zweierlei Hinsicht Darmerkrankungen vor: Körperliche Aktivität unterstützt zum einen die Darmfunktion. Wer sich insgesamt wenig bewegt, hat oft auch einen trägen Darm. 

Zum anderen baut Sport Stresshormone ab. Und Stress wirkt sich direkt und negativ auf den Darm aus. Dementsprechend stärken auch Entspannungstechniken wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Meditation die Darmgesundheit.

Antibiotika sparsam einsetzen

Antibiotika sind zur Bekämpfung vieler Krankheiten ein Segen. Doch sie machen keinen Unterscheid zwischen „guten“ und krankmachenden Bakterien. Antibiotika greifen darum auch in das Darmmikrobiom ein und stören dessen natürliches Gleichgewicht. Sie sollten daher ausschließlich gezielt und sinnvoll eingesetzt werden. 

Darmkrebsvorsorge nutzen

Darmkrebs gehört zu den wenigen Tumorformen, bei der durch Vorsorgeuntersuchungen nicht nur bösartige Wucherungen, sondern bereits deren Vorstufen erkannt und entfernt werden können. Wer die entsprechenden Termine regelmäßig wahrnimmt und auch auf eine Darmspiegelung setzt, ist vor Darmkrebs sehr gut geschützt.

Darmerkrankungen: Diagnose

Wenn Sie Darmbeschwerden bei sich feststellen, ist der Hausarzt ein geeigneter erster Ansprechpartner. Er kann sie ausführlich zu Ihren Beschwerden befragen und erste Untersuchungen veranlassen. Gegebenenfalls überweist er Sie etwa an einen Spezialisten für Darmerkrankungen, den Gastroenterologen.        

Anamnese: Grundlage jeder Diagnose ist eine ausführliche Besprechung der Krankengeschichte. Ärzte informieren sich dabei über aktuelle und frühere Beschwerden sowie über bekannte Vorerkrankungen. Sie erkundigen sich zudem nach Erkrankungen in der Familie, um eine mögliche erbliche Komponente aufzudecken.

Körperliche Untersuchung: Der Anamnese folgt die körperliche Untersuchung. Der Arzt hört und tastet dabei unter anderem den Bauch ab. Anhand typischer Geräusche kann er so beispielsweise einen Darmverschluss erkennen oder durch besonders druckschmerzhafte Areale die möglichen Ursachen eingrenzen. 

Endoskopie („Spiegelung“): Endoskopische Untersuchungen sind bei vielen Darmerkrankungen ein wichtiges Diagnosewerkzeug. Dabei lassen sich Geschwüre, Polypen und krankhafte Veränderungen der Darmschleimhaut feststellen. Abhängig vom Darmabschnitt, der untersucht werden soll, führt der Arzt ein Endoskop entweder durch den Mund (Magenspiegelung/Gastroskopie) oder durch den After ein (Darmspiegelung/Koloskopie). 

Biopsie: Gegebenenfalls entnimmt der Arzt bei einer Spiegelung Gewebeproben (Biopsien). Diese werden in einem pathologischen Labor feingeweblich genauer untersucht. Damit lassen sich verschiedene Darmerkrankungen feststellen – beispielsweise Zöliakie, Morbus Crohn oder Darmkrebs.

Blutuntersuchung: Auch das Blut kann Aufschluss über eine Darmerkrankung liefern. Beispielsweise lassen sich darin Entzündungsmarker wie eine erhöhte Zahl weißer Blutkörperchen und des C-reaktiven Proteins messen. Spezifische IgE-Antikörper im Blut weisen auf eine Allergie hin. Auch Mangelerscheinungen als Folge einer Darmerkrankung wie ein Vitaminmangel offenbaren sich anhand von Blutproben.

Stuhlprobe: Im Stuhl lassen sich etwa Krankheitserreger und Blutbeimengungen feststellen, die auf verschiedene Erkrankungen hinweisen. Dazu gehören vor allem Darminfektionen und Darmkrebs. Oft veranlasst der Arzt auch eine Stuhluntersuchung, um bestimmte Darmerkrankungen auszuschließen.

Ultraschalluntersuchung: Per Ultraschall vom Bauchraum gewinnen Ärzte schnell und meist ohne große Belastungen für den Patienten einen ersten Eindruck von verschiedenen Krankheiten. Dabei können sie nicht nur den Darm, sondern zugleich auch die übrigen Bauchorgane wie Leber, Gallenblase oder Bauchspeicheldrüse beurteilen. Dortige Leiden können ähnliche Beschwerden wie eine Darmerkrankung hervorrufen. 

In manchen Fällen führen Ärzte eine kleine Ultraschallsonde durch den After ein. Mit Hilfe dieser sogenannten transrektalen Endosonographie begutachtet der Untersucher beispielsweise die genaue Größe von Krebs im End- bzw. Mastdarm (Analkarzinom, Rektumkarzinom) oder von Fisteln und Abszessen.

Computer- und Kernspintomografie: Benötigt der Arzt genauere Bilder, veranlasst er häufig eine Untersuchung per Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT, Kernspin). Die CT ist schneller und vor allem im Notfall gut geeignet. Die MRT macht besonders von „weichem“ Gewebe noch bessere Bilder, dauert aber länger. Endoskopisch schwer oder nicht zugängliche Darmabschnitte können so ebenfalls eingeordnet werden.

Darmerkrankungen: Behandlung

Die Behandlung von Darmerkrankungen ist ebenso vielfältig wie die Krankheitsformen selbst. Dazu gehören unter anderem Medikamente, beispielsweise Antibiotika gegen bakterielle Darmkeime oder Kortison bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Bei akuten Darmentzündungen ist überdies wichtig, die durch Durchfälle verlorenen Mineralstoffe und Flüssigkeit wieder auszugleichen.

Bei manchen Darmerkrankungen sind wiederum Operationen notwendig, beispielsweise wenn sich entzündliche Fisteln im Darm bilden. Auch Darmkrebs gehen Ärzte je nach Krankheitsstadium operativ an. Komplikationen wie ein Darmverschluss oder ein Darmdurchbruch erfordern ebenfalls einen chirurgischen Eingriff

Oft können umgestellte Ernährungsweisen Darmerkrankungen lindern. Reizdarmpatienten profitieren häufig von einer Diät, die wenig fermentierbare Kohlenhydrate enthält (FODMAP-arme Ernährung). Bei Allergien und Unverträglichkeiten ist entscheidend, die entsprechenden Problemstoffe zu vermeiden.

Da Darm und Psyche direkt über das Nervensystem miteinander verknüpft sind, haben in vielen Fällen auch Entspannungstechniken oder psychotherapeutische Verfahren einen positiven Effekt auf einzelne Darmerkrankungen.

Wie genau Ärzte eine bestimmte Darmkrankheit behandeln, lesen Sie in den jeweiligen Fachartikeln.

Autoren- & Quelleninformationen

Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:

Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Quellen:

  • Berufsverband Deutscher Internisten, unter: www.internisten-im-netz.de (Abruf am 12.07.2021)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, unter: www.infektionsschutz.de (Abruf am 12.07.2021)
  • Herold, G.: Innere Medizin 2021, Eigenverlag, 2021
  • Kompetenznetz Darmerkrankungen, unter: www.kompetenznetz-darmerkrankungen.de (Abruf am 12.07.2021)
  • Leitlinie der DeutschenGesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS, federführend): Gastrointestinale Infektionen und Morbus Whipple (Stand: Februar 2015)
  • Universitätsklinikum Erlangen: Untersuchung der Bauchorgane und des Magen-/Darmtrakts, unter: www.radiologie.uk-erlangen.de (Abruf am 12.07.2021)

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